Holbornsches Haus, Rote Str. 34, Göttingen
Verfolgung, Enteignung — Bestrafung, Entschädigung. Eine Täter-Opfer-Geschichte aus zwei deutschen Rechtssystemen
Buchlesung mit Rechtsanwalt Tillmann Krach
Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V.n
Das kleine Anwesen der drei jüdischen Geschwister Koch im rheinhessischen Alzey wird 1941 von der Gemeinde enteignet. Bertha Koch klagt vor Gericht auf höhere Entschädigung, doch im Oktober 1941 fordert der Alzeyer Bürgermeister in einem Brief an die Gestapo ihren „Abtransport nach dem Osten“; daraufhin wird sie 1942 deportiert und ermordet. Ihr Sohn, Hans Franken, überlebt versteckt in Berlin. Er bemüht sich ab 1946 um Restitution des Elternhauses und einen Strafprozess gegen die Verantwortlichen. Der Strafprozess beschäftigt mehrere Gerichte und endet im April 1953 mit einer Einstellung. Hans Franken kämpft bis 1962 um „Wiedergutmachung“.
Holbornsches Haus, Rote Str. 34, Göttingen
Fotos aus Sobibor. Die Niemann-Sammlung zu Holocaust und Nationalsozialismus
Vortrag von Dr. Steffen Hänschen
Veranstaltet vom Bildungswerk ver.di
Johann Niemann war stellvertretender Kommandant des Vernichtungslagers Sobibor. Am 14. Oktober 1943 wagten jüdische Gefangene den Aufstand und töteten dabei auch Niemann. Erst vor einigen Jahren wurden mehr als 350 Fotos aus seinem Besitz entdeckt. Die Bilder erlauben neue Einblicke zum Holocaust im deutsch besetzten Polen.
Der Vortrag zeichnet die Geschichte des Vernichtungslagers Sobibor nach und richtet den Blick dabei auf die ungewöhnlichen Einblicke in die Welt der Täter und den Alltag deutscher SS-Angehöriger in einem Vernichtungslager, den die Bilder gewähren.
Darüber hinaus geht es um den historischen Ort Sobibor und seine Entwicklung zu einem europäischen Gedenkort.
KZ-Gedenkstätte Moringen, Treffpunkt: Torhaus, Lange Str. 58, Moringen
Führung zu den Moringer Konzentrationslagern
Anmeldung: info@gedenkstaette-moringen.de
Veranstaltet von der KZ-Gedenkstätte Moringen
Anfang April 1933 wurde in Moringen eines der ersten KZ des NS-Staates errichtet. Dort wurden vor allem politische Gegner aus dem Raum Hannover und Göttingen inhaftiert. Von Oktober 1933 bis März 1938 war Moringen das zentrale Frauen-KZ Preußens. Inhaftiert waren Frauen aus dem politischen Widerstand, aber auch Zeuginnen Jehovas und (sozial-)rassistisch Verfolgte. Von 1940 bis 1945 bestand in Moringen ein Jugend-KZ. Rassistisch, religiös oder politisch verfolgte männliche Jugendliche waren hier SS-Terror, Zwangsarbeit, Hunger und gewaltsamer Zwangserziehung ausgesetzt.
Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939–1945“, BBS II, Godehardstr. 11, Göttingen
Vor 85 Jahren: Die „Polenstrafrechtsverordnung“ verschärft die Entrechtung polnischer Zwangsarbeitender
Eine Ausstellungsführung mit Annegrit Berghoff
Veranstaltet von der Geschichtswerkstatt Göttingen e.V. und der Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit in Südniedersachsen 1939–1945“
Am 4. Dezember 1941 trat in Deutschland und den besetzten Gebieten in Polen ein Sonderstrafrecht in Kraft, das polnische Staatsangehörige völlig rechtlos werden ließ. Schon für kleinere Straftaten drohte die Todesstrafe. Nach 1945 wurde die „Polenstrafrechtsverordnung“ als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft. Die Führung zeigt, wie polnische Zwangsarbeitende auch in Südniedersachsen entrechtet wurden.
Gemeindesaal der Ev.-Reformierten Gemeinde, Untere Karspüle 11, Göttingen
Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung von Juden — die Verantwortung der NS-Justiz
Vortrag von Arnulf Heinemann, Historiker und Dozent der UdL Göttingen
Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V.
Ausgangspunkt ist das Todesurteil des Sondergerichts Braunschweig gegen Moritz (Moses) Klein und dessen Hinrichtung 1942. Bei diesem bis heute nachwirkenden Urteil handelt es sich um das einzige in Norddeutschland nachweisbare Todesurteil gegen einen Juden.
Im Anschluss geht es um zahlreiche Urteile gegen Juden seit 1933, u. a. auf der Basis der „Heimtückegesetze“, nach denen einfachste Kritik geahndet werden konnte. Im Vortrag geht es vor allem um Verfahren gegen Juden aus Niedersachsen und aus den Niederlanden.
Neues Rathaus, Hiroshimaplatz 1-4, Göttingen
Der NS-Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjetunion
Ausstellungseröffnung
Die Ausstellung ist bis zum 15.01.2027 während der Öffnungszeiten des Neuen Rathauses im Foyer zu sehen
Veranstaltet vom Roma Center e.V.
Das Roma Center eröffnet die Ausstellung „Der NS-Völkermord an Roma in der besetzten Sowjetunion“ des Bildungswerks für Erinnerungsarbeit und Frieden.
Die Ausstellung widmet sich dem bis heute wenig bekannten Teil des NS-Völkermords an den Roma Europas in den von Deutschland und Rumänien besetzten Gebieten der Sowjetunion.
Im Rahmen der Eröffnung geben Dr. Isidora Randjelović und das Roma Center eine Einführung in die Ausstellung, fehlende Aufarbeitung und ihre Bedeutung für die heutige Erinnerungskultur. Welche Geschichten des Völkermords werden erinnert — und welche bleiben unsichtbar?
Der 16.12. erinnert als Gedenktag an den sogenannten Auschwitz-Erlass, der die Deportation von Sinti und Roma nach Auschwitz anordnete.

