Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Eine Veranstaltungsreihe in Göttingen vom 1. November 2023 bis 30. Januar 2024

Dezember 2026

Mittwoch, 02.12.2026, 18:00 Uhr
Holbornsches Haus, Rote Str. 34, Göttingen

Verfolgung, Enteignung — Bestrafung, Entschädigung. Eine Täter-Opfer-Geschichte aus zwei deutschen Rechts­systemen

Buchlesung mit Rechts­anwalt Tillmann Krach

Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammen­arbeit Göttingen e.V.n

Das kleine Anwesen der drei jüdischen Geschwister Koch im rhein­hessischen Alzey wird 1941 von der Gemeinde enteignet. Bertha Koch klagt vor Gericht auf höhere Entschädigung, doch im Oktober 1941 fordert der Alzeyer Bürger­meister in einem Brief an die Gestapo ihren „Abtransport nach dem Osten“; daraufhin wird sie 1942 deportiert und ermordet. Ihr Sohn, Hans Franken, über­lebt versteckt in Berlin. Er bemüht sich ab 1946 um Restitution des Eltern­hauses und einen Straf­prozess gegen die Verant­wortlichen. Der Straf­prozess beschäftigt mehrere Gerichte und endet im April 1953 mit einer Einstellung. Hans Franken kämpft bis 1962 um „Wieder­gutmachung“.

Freitag, 04.12.2026, 19:00 Uhr
Holbornsches Haus, Rote Str. 34, Göttingen

Fotos aus Sobibor. Die Niemann-Sammlung zu Holo­caust und National­sozialismus

Vortrag von Dr. Steffen Hänschen

Veranstaltet vom Bildungs­werk ver.di

Johann Niemann war stell­vertretender Kommandant des Vernichtungs­lagers Sobibor. Am 14. Oktober 1943 wagten jüdische Gefangene den Aufstand und töteten dabei auch Niemann. Erst vor einigen Jahren wurden mehr als 350 Fotos aus seinem Besitz entdeckt. Die Bilder erlauben neue Einblicke zum Holo­caust im deutsch besetzten Polen.

Der Vortrag zeichnet die Geschichte des Vernichtungs­lagers Sobibor nach und richtet den Blick dabei auf die ungewöhn­lichen Einblicke in die Welt der Täter und den Alltag deutscher SS-Angehöriger in einem Vernichtungslager, den die Bilder gewähren.

Darüber hinaus geht es um den historischen Ort Sobibor und seine Entwicklung zu einem euro­päischen Gedenk­ort.

Samstag, 05.12.2026, 15:00 Uhr
KZ-Gedenk­stätte Moringen, Treffpunkt: Torhaus, Lange Str. 58, Moringen

Führung zu den Moringer Konzentrations­lagern

Anmeldung: info@gedenkstaette-moringen.de

Veranstaltet von der KZ-Gedenk­stätte Moringen

Anfang April 1933 wurde in Moringen eines der ersten KZ des NS-Staates errichtet. Dort wurden vor allem politische Gegner aus dem Raum Hannover und Göttingen inhaftiert. Von Oktober 1933 bis März 1938 war Moringen das zentrale Frauen-KZ Preußens. Inhaftiert waren Frauen aus dem politischen Wider­stand, aber auch Zeuginnen Jehovas und (sozial-)rassistisch Verfolgte. Von 1940 bis 1945 bestand in Moringen ein Jugend-KZ. Rassistisch, religiös oder politisch verfolgte männliche Jugend­liche waren hier SS-Terror, Zwangsarbeit, Hunger und gewaltsamer Zwang­serziehung aus­gesetzt.


Sonntag, 06.12.2026, 14:30 Uhr, 14:30 Uhr
Ausstellung „Auf der Spur euro­päischer Zwangs­­arbeit. Süd­­nieder­­sachsen 1939–1945“, BBS II, Godehard­str. 11, Göttingen

Vor 85 Jahren: Die „Polen­straf­rechts­verordnung“ verschärft die Ent­rechtung polnischer Zwangs­arbeitender

Eine Ausstellungsführung mit Annegrit Berghoff

Veranstaltet von der Geschicht­s­werkstatt Göttingen e.V. und der Ausstellung „Auf der Spur euro­päischer Zwangs­­­arbeit in Süd­­­nieder­­­sachsen 1939–1945“

Am 4. Dezember 1941 trat in Deutschland und den besetzten Gebieten in Polen ein Sonder­straf­recht in Kraft, das polnische Staats­angehörige völlig rechtlos werden ließ. Schon für kleinere Straf­taten drohte die Todes­strafe. Nach 1945 wurde die „Polen­straf­rechts­verordnung“ als Kriegs­verbrechen und Verbrechen gegen die Menschlich­keit ein­gestuft. Die Führung zeigt, wie polnische Zwangs­arbeitende auch in Süd­nieder­sachsen entrechtet wurden.

Montag, 07.12.2026, 17:00 Uhr
Gemeinde­saal der Ev.-Reformierten Gemeinde, Untere Karspüle 11, Göttingen

Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung von Juden — die Verant­wortung der NS-Justiz

Vortrag von Arnulf Heine­mann, Historiker und Dozent der UdL Göttingen

Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammen­arbeit Göttingen e.V.

Ausgangspunkt ist das Todes­urteil des Sonder­gerichts Braun­schweig gegen Moritz (Moses) Klein und dessen Hin­richtung 1942. Bei diesem bis heute nach­wirkenden Urteil handelt es sich um das einzige in Nord­deutschland nach­weisbare Todes­urteil gegen einen Juden.

Im Anschluss geht es um zahl­reiche Urteile gegen Juden seit 1933, u. a. auf der Basis der „Heim­tücke­gesetze“, nach denen einfachste Kritik geahndet werden konnte. Im Vortrag geht es vor allem um Verfahren gegen Juden aus Nieder­sachsen und aus den Nieder­landen.

Mittwoch, 16.12.2026, 18:00 Uhr
Neues Rathaus, Hiroshima­platz 1-4, Göttingen

Der NS-Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjet­union

Ausstellungseröffnung

Die Ausstellung ist bis zum 15.01.2027 während der Öffnungs­zeiten des Neuen Rat­hauses im Foyer zu sehen

Veranstaltet vom Roma Center e.V.

Das Roma Center eröffnet die Ausstellung „Der NS-Völker­mord an Roma in der besetzten Sowjet­union“ des Bildungs­werks für Erinnerungs­arbeit und Frieden.

Die Ausstellung widmet sich dem bis heute wenig bekannten Teil des NS-Völker­mords an den Roma Europas in den von Deutschland und Rumänien besetzten Gebieten der Sowjet­union.

Im Rahmen der Eröffnung geben Dr. Isidora Randjelović und das Roma Center eine Einführung in die Ausstellung, fehlende Auf­arbeitung und ihre Bedeutung für die heutige Erinnerungs­kultur. Welche Geschichten des Völker­mords werden erinnert — und welche bleiben unsicht­bar?

Der 16.12. erinnert als Gedenk­tag an den sogenannten Auschwitz-Erlass, der die Deportation von Sinti und Roma nach Auschwitz anordnete.