Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Eine Veranstaltungsreihe in Göttingen vom 1. November 2023 bis 30. Januar 2024

Januar 2027

Freitag, 01.01.2027, 14:00 Uhr
Der Treffpunkt wird nach der Anmeldung per Mail bekannt gegeben

Erinnerungsweg Alexander Selchow

Öffentliche Führung

Bitte melden Sie sich für die kostenlose Führung an unter info@alexander-selchow.de

Veranstaltet von der AG Alexander Selchow

In der Silvesternacht 1990/91 wurde in Rosdorf der 21-jährige Alexander Selchow von rechts­extremen Skinheads überfallen. Er starb am Neujahrs­morgen an zahl­reichen Stich­verletzungen. Seit 2022 gibt es in Rosdorf einen Rundweg, der an Selchow erinnert. Zum Weg gehören auch Video­aufzeichnungen von Gesprächen, die Jugend­liche mit Zeitzeug*­innen führten.

Während der Führung anlässlich des Todes­tages werden ausgewählte Stationen des Erinnerungs­wegs besucht, der historische Kontext („Baseball­schläger­jahre“) erläutert und die Bedeutung von Erinnerungs­kultur für die Demokratie diskutiert.

Sonntag, 10.01.2027, 14:30 Uhr
Ausstellung „Auf der Spur euro­päischer Zwangs­­arbeit. Süd­­nieder­­sachsen 1939–1945“, BBS II, Godehard­str. 11, Göttingen

NS-Zwangsarbeit in Südniedersachsen

Eine Ausstellungsführung mit Arndt Kohlmann

Veranstaltet von der Geschicht­s­werkstatt Göttingen e.V. und der Ausstellung „Auf der Spur euro­päischer Zwangs­­­arbeit in Süd­­­nieder­­­sachsen 1939–1945“

Im Zweiten Weltkrieg waren ausländische Zwangs­arbeiter*­innen in praktisch jedem Bereich der deutschen Kriegs­wirtschaft tätig. Es gab sie in allen Städten und Dörfern und sie schwebten in ständiger Gefahr. Diese Führung gibt einen Über­blick, wie das in der Region aussah. Sie geht auf die Lebens­wege einzelner Zwangs­arbeitender ein, beleuchtet Zwangs-Arbeits­plätze in Süd­nieder­sachsen, erklärt den Zusammen­hang zwischen Zwangs­arbeit und NS-Ideologie und stellt die verschiedenen europäischen Perspektiven auf dieses Verbrechen dar.

Montag, 11.01.2027, 19:00 Uhr
Ver.di Säle, Groner-Tor-Str. 32, 2. Etage, Göttingen

„displaced at home“ — Eine Ausstellung über die Geschichte der jüdischen Gemein­schaft in Kassel vom 1. Weltkrieg bis zu den DP-Camps

Vortrag von Gabriela Katz, Kuratorin der Ausstellung und Mit­arbeiterin im Sara Nussbaum Zentrum Kassel

Veranstaltet vom Deutschen Gewerk­schafts­bund, der Jüdischen Gemeinde und dem Sara Nussbaum Zentrum Kassel

Die Ausstellung „displaced at home — ein Ort, den man zuhause nennt“, die vom Juni 2024 bis August 2026 im Sara Nussbaum Zentrum gezeigt wurde, beleuchtet das Schicksal Kasseler Jüdinnen und Juden vom Beginn des 1. Welt­kriegs bis zu den DP-Camps nach dem 2. Weltkrieg. Im Juni 2025 wurde die innovative Ausstellung mit dem 1. Platz des Hessischen Präventions­preises aus­gezeichnet.

Gabriela Katz wird uns über ihre Kurations­arbeit berichten und Ein­blicke in Teile der Ausstellung geben.

Donnerstag, 14.01.2027, 19:30 Uhr
Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7, Göttingen

Auftakt des Terrors — Bedeutung der frühen Konzentrations­lager 1933

Buchvorstellung und Gespräch

Veranstaltet von der KZ-Gedenk­stätte Moringen und dem Buch­laden Rote Straße

Die Konzentrations­lager waren zentral für die Durch­setzung der NS-Diktatur. Über 100 von ihnen entstanden allein 1933. Genutzt wurden dafür oft bestehende Strukturen, wie die Arbeits­häuser Moringen und Breitenau.

Im Mai erschien dazu der Sammelband „Durch­setzung der Diktatur“ der Arbeits­gemeinschaft Gedenk­stätten an Orten früher Konzentrations­lager. Ann Katrin Düben, Leiterin der Gedenk­stätte Breitenau und Miriam Hockmann, wissen­schaftliche Mitarbeiterin der KZ-Gedenk­stätte Moringen sprechen über die Bedeutung der beiden Orte für den Umbau von der Demokratie zur Gewalt­herrschaft.

Montag, 18.01.2027, 19:00 Uhr
Literaturhaus Göttingen, Nikolaistr. 22, Göttingen

UNERWÜNSCHT — West­deutsche Demokratie und Verfolgte des NS-Regimes

Vortrag und Gespräch Stefanie Schüler-Springorum. Moderiert von Hartmut Wolter

Solidaritäts­beitrag zwischen 5 € und 20 €

Veranstaltet von der Freien Alten­arbeit Göttingen e.V. und dem Literarischen Zentrum Göttingen

Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum erzählt, wie es jüdischen Über­lebenden, Sinti und Roma, ehemaligen Zwangs­arbeiter*­innen und Homo­sexuellen nach dem Krieg im westlichen Teil Deutschlands erging.

Hass und Schikanen hörten nach 1945 nicht einfach auf. Homo­sexuelle wurden bis 1969 auf Grundlage des § 175 in der Fassung von 1935 strafvrechtlich verfolgt. Das Bild von der gelungenen Demokratisierung der Bundes­republik bekommt durch diese Geschichten einen Riss. Wie tief Hass und Ressentiments im Denken der Menschen verankert waren und sind, zeigt dieser Vortrag.

Dienstag, 19.01.2027, 19:00 Uhr
Junges Theater, Bürgerstr. 15, Göttingen

Ausgeforscht? Zeit­geschichte und juristische Ahndung von NS-Verbrechen

Vortrag mit Dr. Stefan Hördler

Veranstaltet vom Bildungs­werk ver.di und dem Jungen Theater Göttingen

Die Geschichte des National­sozialismus und des Holo­caust wird oft als weitgehend erforscht betrachtet. Die Verfahren zu NS-Verbrechen der letzten Jahre zeigen jedoch diverse blinde Flecken in der Geschichts­schreibung auf, vor allem in Hinblick auf sub­alterne Täter­schaften in Konzentrations­lagern.

Der Vortrag beleuchtet die Hetero­genität des Lager­personals — von alt­gedienten SS-Männern bis zu Zivil­angestellten — und fragt, wie ihre Integration in das KZ-System die Gewalt­praxis prägte. Die Prozesse der Spät­verfolgung werfen neue Perspektiven auf die NS-Gewalt­geschichte und die Trans­formation der Lager.

Dr. Stefan Hördler, Universität Göttingen, war mehr als zehn Jahre Gutachter in Verfahren zu NS-Verbrechen.

Donnerstag, 21.01.2027, 19:00 Uhr
Online, Link nach Anmeldung

Wie recherchiert man die Beteiligung von Familien­mitgliedern am National­sozialismus?

Online-Veranstaltung, der Link wird nach Anmeldung unter mail@ns-familien-geschichte.de zugesandt.

Veranstaltet von NS-Familien-Geschichte e.V.

Diese Online-Veranstaltung will dazu anregen, sich mit der NS-Vergangen­heit der eigenen Familie auseinander zu setzen. Sie bietet einen umfassenden und systematischen Einstieg in Archiv­recherche und weitere Möglich­keiten der Nach­forschungen.

Kolportierte Anekdoten über den „Onkel bei der Wehrmacht“ und Sätze wie „Oma war immer gegen Hitler“ kennen die meisten. Aber immer mehr Menschen möchten den tradierten Anekdoten und Legenden auf den Grund gehen und heraus­finden, ob und wie sich Familien­mitglieder konkret am National­sozialismus beteiligt hatten.

Nicht zuletzt durch den seit Kurzem nieder­schwelligen Zugang zu den NSDAP-Mitglieds­karteien erreichte das Thema eine breite Öffentlich­keit. Um ein umfassenderes Bild zu erlangen sind weitere Recherchen erforderlich. Die Zeit für solche Recherchen ist günstig, denn heute lassen sich Werde­gänge verwandter Personen im National­sozialismus oft detailliert nach­voll­ziehen und belegen.



Mehr ...

Eine wichtige Quelle sind Archive, Dokumente aus der NS-Zeit sind heute meist gut zugänglich. In den vergangenen zwei Jahr­zehnten entstanden viele Gedenk­stätten und Museen im In- und Ausland zur Dokumentation von NS-Verbrechen, deren Opfer und von Wider­stand. Lokal­historiker*­innen vor Ort haben viele Informationen zusammen­getragen. Eine weitere wichtige Quelle sind Zeitzeug*­innen im Ausland. Noch hat man Gelegen­heit, sie zu fragen. Auch das Internet ist zur Fund­grube für historische Informationen geworden.

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Sonntag, 24.01.2027, 11:15 Uhr
Gemeinde­saal der Ev.-Reformierten Gemeinde, Untere Karspüle 11, Göttingen

„Nur seine Geige ist geblieben“ — Die Geschichte des russisch-jüdischen Geigers Itzchak Orloff und seiner über­lebenden Geige

Ein Dia-Vortrag mit Konzert für Klavier und Violine mit Roman Salyutov (Moderation und Klavier) und Alexander Lifland (Violine)

Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammen­arbeit Göttingen e.V. in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Göttingen und der Ev.-reformierten Gemeinde

Die Matinée erinnert mit Musik und Bildern an das Leben und Schicksal des russischen Geigers und Holo­caust-Opfers Itzhak Orloff. Dessen Geige blieb erhalten, ist nun im Besitz von Roman Salyutov und wird in diesem Konzert erklingen, das zugleich ein Benefiz­konzert ist für den Wieder­aufbau des Kibbuz Nir Oz, der in Israel am 7. Oktober 2023 durch das Massaker der Hamas zerstört worden ist.

Mittwoch, 27.01.2027, 19:00 Uhr
Altes Rathaus, Markt 9, Göttingen

Gedenkveranstaltung zum 27. Januar

Silvio Uhlfelder: Vertreibung, Neubeginn und die Sehnsucht nach Heimat

Veranstaltet vom Bündnis zum Gedenken an die Opfer des National­sozialismus

Der Vortrag erzählt die bewegende Geschichte der Familien Uhlfelder aus Berlin sowie der Familie Grüne­wald aus Beverungen (NRW). Mit der Macht­übernahme der National­sozialisten begann für sie die systematische Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich der Zwang, ihre Heimat zu verlassen. Im Mittel­punkt stehen die persönlichen Erfahrungen dieser Familien: der Verlust von Sicher­heit und Zugehörig­keit, die Heraus­forderungen eines Neu­anfangs in einem fremden Land (Argentinien), das Leben mit einer unbekannten Sprache und Kultur — und zugleich das tiefe, nie endende Vermissen der alten Heimat. Ein Bericht über Mut und Anpassung, über Identität und Erinnerung — und darüber, was es bedeutet, Heimat zu verlieren und dennoch weiter­zuleben.

Samstag, 30.01.2027, 14:00 Uhr, 14:00 Uhr
Treffpunkt: Schranke Goßlerstr. / Ecke Käte-Hamburger-Weg, Göttingen

Medizin in Göttingen im Nationalsozialismus — Rolle der Hebammen

Ein Stadtteilrundgang mit Cornelia Krapp, Hebamme, Geschichts­­werkstatt Göttingen

Der Rundgang ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Veranstaltet von der Geschicht­s­werkstatt Göttingen e.V. und der Ausstellung „Auf der Spur euro­päischer Zwangs­­­arbeit in Süd­­­nieder­­­sachsen 1939–1945“

Schwangerschaften von Zwangs­­arbeiter­­innen waren in Nazi-Deutschland grund­sätzlich ebenso unerwünscht wie ausländische Klein­kinder. Sie hielten die Frauen von der Arbeit ab und erforderten Aufwand zur Betreuung. Jedoch kamen in sämtlichen Kranken­­häusern der Region sowie in Lagern und Einzel­­unter­künften Kinder von Zwangs­­arbeiter­­innen zur Welt. Schwangere Frauen aus Ost­europa wurden zudem für wissen­­schaftliche Zwecke miss­braucht, indem sie als „Haus­­schwangere“ für die medizinische Ausbildung zur Verfügung stehen mussten.

Der Rundgang über das Gelände des alten Universitäts­­klinikums zwischen Goßler­­straße und Humboldt­­allee gibt eine Einführung in die Göttinger Klinik­­geschichte. Es geht um Zwangs­­arbeiter*­­innen als Patient*­­innen und als Personal im Klinikum, um Zwangs­­sterilisationen in der Frauen­­klinik und um die Rolle, die Hebammen bei alledem spielten.

Für rechte Ideologien sind Hebammen seit jeher wichtig — die Berufsgruppe soll dabei helfen, Frauen auf ihre Mutter-Rolle festzulegen. Im National­­sozialismus wurde 1938 gesetzlich vor­­geschrieben, dass zu jeder Geburt eine Hebamme hinzu­gezogen werden musste. Heute hingegen legen Hebammen Wert darauf, dass sich ihre Berufs­­ethik nicht mit rechtem Gedanken­­gut verein­baren lässt. Und im Hebammen­­gesetz wird aus­drücklich betont, dass Hebammen das Recht der Frauen auf Selbst­­bestimmung achten sollen.